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BPMN einfach erklärt: Symbole & Beispiele | vsquadrat
Prozessmanagement

BPMN einfach erklärt: Symbole, Beispiele und der richtige Einstieg

BPMN steht für „Business Process Model and Notation" und ist heute der weltweite Standard, um Geschäftsprozesse grafisch darzustellen – verständlich für die Fachabteilung und präzise genug für die IT. Wer Prozesse modellieren will, kommt an BPMN kaum vorbei: Die Notation übersetzt das, was im Kopf einzelner Mitarbeitender steckt, in ein klares Bild, über das alle Beteiligten sprechen können. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was BPMN ist, welche Symbole Sie wirklich brauchen und wie Sie ohne Überforderung mit der Prozessmodellierung starten.

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Das Problem: jeder kennt den Prozess – nur anders

In vielen Organisationen existieren wichtige Abläufe ausschließlich im Kopf. Fragt man drei Mitarbeitende, wie eine Bestellung freigegeben wird, bekommt man drei Antworten. Solange alles läuft, fällt das nicht auf. Sobald jemand ausfällt, ein neues Tool eingeführt wird oder ein Audit ansteht, wird die fehlende Klarheit teuer: Übergaben hakeln, Verantwortlichkeiten sind unklar, und niemand kann auf Knopfdruck sagen, wer wann was entscheidet.

Genau hier setzt die Prozessmodellierung an. Sie macht einen Ablauf sichtbar, diskutierbar und verbesserbar. Das Problem dabei: Wer ohne gemeinsame Sprache modelliert, produziert schnell ein Wirrwarr aus Pfeilen und Kästchen, das niemand mehr liest. BPMN löst dieses Problem, indem es eine standardisierte, allgemein verständliche Bildsprache vorgibt – eine Notation, die von der Object Management Group (OMG) gepflegt und mit BPMN 2.0 zusätzlich als ISO/IEC 19510 veröffentlicht wurde.


Was ist BPMN? In zwei Sätzen

BPMN ist eine grafische Notation, mit der Sie einen Geschäftsprozess als nachvollziehbaren Ablauf darstellen: Was passiert, in welcher Reihenfolge, wer ist beteiligt und welche Entscheidungen werden getroffen. Das Ergebnis ist ein Diagramm, das Fachbereich und IT gleichermaßen lesen können – die Brücke zwischen „so arbeiten wir wirklich" und „so soll es das System abbilden".

Der große Vorteil gegenüber selbstgemalten Flussdiagrammen: Die Bedeutung jedes Symbols ist eindeutig festgelegt. Ein Kreis heißt immer dasselbe, eine Raute heißt immer dasselbe. Dadurch versteht auch jemand, der nicht in der Modellierung dabei war, sofort, was gemeint ist.


Die wichtigsten BPMN-Symbole im Überblick

BPMN umfasst Dutzende Symbole – für den Einstieg brauchen Sie aber nur eine Handvoll. Mit diesen vier Element-Gruppen lassen sich bereits die meisten Prozesse sauber abbilden:

ElementSymbolBedeutung
EreignisKreisAuslöser oder Resultat – z. B. Start („Bestellung geht ein"), Zwischenereignis oder Ende.
Aktivität / Aufgabeabgerundetes RechteckEine Tätigkeit, die erledigt wird – z. B. „Rechnung prüfen".
GatewayRauteEine Verzweigung oder Entscheidung – z. B. „Betrag über 1.000 €?".
SequenzflussPfeilVerbindet die Elemente und zeigt die Reihenfolge an.

Hinzu kommen zwei Struktur-Elemente, die festlegen, wer etwas tut:

  • Pool: steht für eine Organisation oder einen Prozessteilnehmer als Ganzes (z. B. „Unser Unternehmen" und „Kunde").
  • Lane (Swimlane): unterteilt einen Pool in Rollen oder Abteilungen (z. B. „Einkauf", „Buchhaltung", „Geschäftsführung") – so wird sofort sichtbar, in wessen Verantwortung eine Aufgabe liegt.

Wichtig für den Anfang: Beschränken Sie sich bewusst auf dieses Grundvokabular. Ein Modell, das nur Start- und Endereignis, Aufgaben, ein paar Gateways und Lanes nutzt, ist für die meisten Mittelständler aussagekräftiger als ein technisch perfektes Diagramm, das niemand mehr versteht.


Ein einfaches BPMN-Beispiel

Stellen Sie sich eine Rechnungsfreigabe vor. In BPMN-Logik liest sich der Ablauf so:

  1. Startereignis: Eine Rechnung geht ein.
  2. Aufgabe: Die Buchhaltung prüft die Rechnung sachlich und rechnerisch.
  3. Gateway (Entscheidung): Liegt der Betrag über 1.000 €?
    • Ja: Aufgabe „Freigabe durch Geschäftsführung einholen" (Lane: Geschäftsführung).
    • Nein: direkt weiter.
  4. Aufgabe: Zahlung anweisen (Lane: Buchhaltung).
  5. Endereignis: Rechnung ist bezahlt und archiviert.

An diesem kleinen Beispiel zeigt sich der Kern von BPMN: Jeder im Unternehmen versteht auf einen Blick, wer was tut, wo entschieden wird und wann der Prozess abgeschlossen ist – ganz ohne Erklärung in Textform.


So gelingt der Einstieg in die Prozessmodellierung – Schritt für Schritt

  1. Den richtigen Prozess wählen: Beginnen Sie nicht mit dem komplexesten Vorhaben, sondern mit einem überschaubaren Ablauf, der oft Reibung verursacht. Erfolge im Kleinen schaffen Akzeptanz.
  2. Den Ist-Zustand aufnehmen: Modellieren Sie zuerst, wie der Prozess wirklich läuft – nicht, wie er laut Handbuch laufen sollte. Sprechen Sie mit den Menschen, die den Prozess täglich ausführen.
  3. Mit wenigen Symbolen arbeiten: Nutzen Sie Ereignis, Aufgabe, Gateway, Sequenzfluss und Lanes. Mehr braucht es für die erste Version selten.
  4. Gemeinsam validieren: Legen Sie das Modell den Beteiligten vor. Genau hier entstehen die wertvollsten Erkenntnisse: „Das machen wir eigentlich ganz anders."
  5. Den Soll-Prozess ableiten: Erst wenn der Ist-Zustand klar ist, lohnt es sich, Schwachstellen zu beseitigen und den Zielprozess zu modellieren.

Ein gutes BPMN-Modell ist übrigens auch die ideale Vorarbeit für IT-Projekte: Wer einen Prozess sauber abgebildet hat, kann daraus präzise Anforderungen ableiten. Wie diese Anforderungen anschließend dokumentiert werden, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Lastenheft und Pflichtenheft. Und wenn es nach der Modellierung darum geht, Abläufe gezielt zu verschlanken, hilft unsere Übersicht zu Methoden der Prozessoptimierung weiter.


Mini-Fazit

BPMN ist kein Selbstzweck und auch kein Werkzeug nur für IT-Spezialisten – es ist eine gemeinsame Sprache, mit der Fachbereich und Technik über Abläufe reden können. Für den Einstieg reichen wenige Symbole: Ereignisse, Aufgaben, Gateways, Pfeile und Swimlanes. Wer damit zuerst den echten Ist-Prozess sichtbar macht und ihn dann gemeinsam verbessert, gewinnt Klarheit, schnellere Übergaben und eine solide Grundlage für jede Digitalisierung. Oder kurz: Erst verstehen, dann optimieren.

Sie möchten Ihre Kernprozesse sauber modellieren und Schritt für Schritt verbessern – pragmatisch und mit Blick auf die tägliche Arbeit? Dann begleiten wir Sie von der Aufnahme des Ist-Zustands bis zum verankerten Soll-Prozess.

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Über die Autorin: Wibke von Stürmer ist Beraterin und Managing Partner der vsquadrat GmbH. Mit über 15 Jahren Erfahrung in Projektmanagement, Prozess- und Strukturaufbau sowie als PMO begleitet sie Mittelständler bei der praxisnahen Einführung klarer Abläufe – von der Prozessmodellierung bis zur Umsetzung. Kontakt: wibke@vsquadrat.de · vsquadrat GmbH, Kleiner Burstah 12, 20457 Hamburg · www.vsquadrat.de

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